Tatort

„Tatort“ am Sonntag: Unerwartete Rückkehr entwickelt sich zum dramatischen Reißer [Kritik]

„Tatort“ am Sonntag: Unerwartete Rückkehr entwickelt sich zum dramatischen Reißer [Kritik]
© ORF / Petro Domenigg

Mit ihrer einzigartigen Chemie bereichern Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser seit mittlerweile 13 Jahren den „Tatort“ und diesmal steht erneut ihre besondere Beziehung im Mittelpunkt. Warum sich die Episode „Dein Verlust“ auch dank Rückkehrerin Tanja Raunig in der Rolle von Moritz Eisners Tochter lohnt, erfahrt ihr in Mareks Kritik zum neusten Krimi aus Wien.

Welche Kommissare ermitteln im „Tatort: Dein Verlust“?

60 Jahr, graues Haar: Etwas missmutig blickt Oberstleutnant Eisner in den Spiegel, bevor sich all seine Bedenken in einem rauschenden Fest verfliegen. Busserl hier, Küsschen da, zeigt sich der gelöste Kommissar von seiner ausgelassenen Seite und kommt dabei sogar seiner Kollegin und platonischen Freundin Bibi näher als gewohnt, was auch seiner wieder genesenen Tochter Claudia nicht verborgen bleibt. Von der haben wir seit ihrem vermeintlich folgenschweren Unfall vor sieben Jahren nichts mehr gesehen oder gehört, nun tanzt sie munter und fidel mit ihrem neuen besten Freund vergnügt durch die Nacht.\

Mit Lucas, der zumindest in beschwipstem Zustand einige Benefits genießt, will Claudia Eisner ein Sabbatjahr im Wohnmobil verbringen, doch zuvor bereitet ihr ausgerechnet der sonst so zuverlässige Vater großen Kummer. Der kann sich am nächsten Morgen an seine Geburtstagsfeier nicht mehr erinnern und muss von seinem Sprössling mühsam zurück ins Leben geholt werden. Dann überschlagen sich die Ereignisse und Moritz Eisner sitzt plötzlich als Mordverdächtiger hinter Gittern. Seine einzige Verbündete bleibt Bibi, die alles in Bewegung setzt, um ihren, wie es heutzutage so schön ausgedrückt wird, Lieblingsmenschen aus der Bredouille zu befreien. Was die Majorin dafür alles auf sich nimmt, ist mehr als nur ein Liebesbeweis und das Herzstück eines stark vorgetragenen, wenn auch am Ende vorhersehbaren Krimis, der unterm Strich wie eine Art Best-of-Version der bisherigen Wiener Kriminalfälle daherkommt. Das ist natürlich nicht das Schlechteste, schließlich sind Bibi und Moritz in unserem Video der stärksten „Tatort“ -Teams auf den vorderen Plätzen vertreten.

Worum geht es im „Tatort: Dein Verlust“?

Der ehemalige Rechtsanwalt Otto Hübner ist mittlerweile eine feste Größe im Wiener Nachtleben. Ausgerechnet am Abend von Moritz Eisners Geburtstagsfeier wird er in seinem eigenen Club ermordet, was am nächsten Morgen natürlich die Polizei auf den Plan ruft. Während der über die Maßen verkaterte Kommissar kaum geradeaus gucken kann, macht seine Kollegin einen beängstigenden Fund am Tatort. Eine Überwachungskamera zeigt Moritz Eisner, wie er nach dem Ende seiner Party das Etablissement betritt und direkt auf das Mordopfer zugeht, das zuvor seine ebenfalls anwesende Tochter belästigt hat.

Hat der redliche Polizist etwa die Beherrschung verloren und in seinem benebelten Zustand zu seiner Dienstwaffe gegriffen? Als die in dessen Mülleimer gefunden wird, gibt es für die interne Ermittlung keine Schonfrist mehr und Moritz Eisner landet als Mordverdächtiger in Untersuchungshaft. Bibi ist die Einzige, die davon überzeugt ist, dass es sich um ein Komplott handelt und beginnt, die alten Fälle der beiden zu durchforsten. Will sich etwa jemand an dem Polizisten rächen und hat alles inszeniert?

Tatort: Dein Verlust
Hier ist die Welt noch in Ordnung, bald wird es für Moritz Eisner dramatisch © ORF / Petro Domenigg

Mareks „Tatort“-Kritik: Altbewährtes Thema, gut erzählt

Ein kleines Update zu ihrem Gesundheitszustand wäre zwischenzeitlich schon nett gewesen, immerhin wissen wir nun, dass Claudia Eisner sieben Jahre nach ihrem schweren Autounfall keine bleibenden Schäden davongetragen hat. Dass sie zum 60. Geburtstag ihres Vaters wieder ihre Aufwartung macht, ist dramaturgisch natürlich nachvollziehbar, eine reine Nebenfigur bleibt sie im durchweg spannenden Drehbuch von Thomas Christian Eichtinger und Samuel R. Schultschik aber nicht. Stimmig verweben die beiden Vorlagengeber Claudias vermeintlich locker-flockige Lebenssituation in die am Ende überraschend dramatisch aufbereitete Geschichte um ihren Vater, dem unverschuldet der Boden unter den Füßen weggezogen wird,

Das Motiv des derangierten Kommissars, der aufgrund eines Filmrisses selbst unter Mordverdacht gerät, ist im „Tatort“ freilich kein neues. Ob Manfred Krug, Maria Furtwängler, Axel Prahl oder sein Namensvetter Axel Milberg, sie alle wurden bereits ihrer Zurechnungsfähigkeit beraubt und kurzzeitig zu Mordverdächtigen erklärt, nur um am Ende eine möglichst große Verschwörung aufzuklären. Insofern hat der neuste Wiener „Tatort“ keinen Originalitätspreis verdient, vermag aber mit den tollen schauspielerischen Leistungen seines Ensembles und dessen einzigartigem Wiener Schmäh zu überzeugen. Das muss an diesem Sonntagabend auch einfach mal reichen, schließlich können wir nicht jede Woche von solchen außergewöhnlichen Glanzleistungen verwöhnt werden wie zuletzt im Kieler Über-„Tatort: Borowski und der Wiedergänger“.

Der „Tatort: Dein Verlust“ wird am Sonntag, den 10. März 2024, um 20:15 Uhr in der ARD ausgestrahlt und ist danach in der Mediathek für sechs Monate als Wiederholung im Stream verfügbar. 

Source: https://www.nbcnews.com/

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